Schlag auf Schlag

23. April 2012

Wie immer: erst passiert gar nichts und dann… Björn will ja eigentlich Überführungen machen, doch bisher hat sich so gar nichts ergeben. Am Montag kam dann der Anruf: “Kannst Du eine Überführung am Dienstag nach Guadeloupe machen?” 2 Stunden später: Wir brauchen am Mittwoch jemanden in Miami für eine größere Überführung nach Cancun, Kuba und zurück nach St. Martin. Geil! Aber da Björn ja nicht untätig rumgesessen hatte, war er auf einem anderen Boot zu Reparaturen verpflichtet. Alles ein bisschen kurzfristig, zumal er in der kurzen Zeit auch kein Crewmember auftreiben konnte. Schweren Herzens musste er ablehnen.
Anscheinend hatte die deutsche Chartergesellschaft niemand anderes gefunden und so fragten sie Björn am Mittwoch, ob er nun am Donnerstag nach Guadeloupe fahren könne. Wieder musste erst kurzfristig ein Mitsegler gefunden werden. Colin, der mit ihm arbeitet, wollte Erfahrungen auf einem Monohull sammeln. Und so zogen die beiden denn los, segelten einen 50 Fuss Monohull nach Guadeloupe und brachten einen 36 Fuss Katamaran nach St. Martin zurück.
Ich hütete derweil das Boot und ging meiner üblichen Beschäftigung dem Tauchen nach. Einen Abend war ich auf der Dutch Concret zum indonesischen Essen eingeladen. Das arme Kind, so allein auf dem Boot, muss ja was zu Essen haben. Es ist schon toll, wie sehr sich die Segler umeinander kümmern. Es war soviel, dass ich ein “Doggybag” mitbekam und noch für den nächsten Tag genug zu Essen hatte.
Heute waren sie wieder da und hatten 2 Boote zu aller Zufriedenheit überführt. Mein Skipper war happy und etwas Geld hat er auch verdient.
So schnell kann es gehen. Ist halt doch ein sehr kurzfristiges Geschäft. (A)

Ein Nachttauchgang der Extraklasse

19. April 2012

Gestern war ein Nachttauchgang angesetzt, nur für Freunde und Crew von Ocean Explorers. Natürlich war Björn auch mit von der Partie. Er muss ja schließlich auch mal wieder “nass” werden. Für uns alle war es sehr entspannt, da wir keine “Gäste” zu betreuen hatten und so sprangen wir im Dunkeln ins Wasser. Unsere Nachttauchgänge machen wir üblicherweise an einem Wrack namens Gregory.
Björn und ich waren ein Buddyteam und schon beim Abtauchen sahen wir eine große Schildkröte, die so verschlafen war, dass wir minutenlang neben ihr hertauchen und sie sogar leicht berühren konnten. Nachts schlafen die meisten Tagtiere, igeln sich ein oder verharren still. Muränen gehen auf Jagd, Lobster kommen aus ihren Verstecken, alle Arten von Krebsen und Krabben nehmen ihr Abendmahl an den Wänden des Wracks ein.
Wir lieben es unsere Lampen auszumachen und im Fastdunkel zu tauchen. Setzt man sich ganz ruhig auf den Boden und wedelt mit den Armen, hat man um sich herum lauter kleine “Glühwürmchen”. Man ist umgeben von Lichtspritzern. Wow!
Wir hatten fast Vollmond und somit genügend Licht von oben. Eine herrliche Atmosphäre der Ruhe. Überwältigend. Nach einer Stunde tauchten wir wieder auf und waren uns einig, dass dies einer der besten Nachttauchgänge war, die wir je hatten.
Nachdem alles Gerät gewaschen und sicher verstaut war, ließen wir diesen wundervollen Abend bei einem Bier ausklingen. Aber nur eines, denn am nächsten Tag hieß es wieder: Ran an die Buletten! (A)

Kleine Kulinarische Reise in St. Martin

17. April 2012

Manchmal vergeht die Zeit, ohne dass etwas Besonderes passiert und dann wieder kommt es Schlag auf Schlag. Erst waren wir bei unseren Deutschen Freunden auf der Mau zum Essen eingeladen. Carmen, die Gourmetköchin, versteht es einen so richtig zu verwöhnen. Dann waren wir auf der Dutch Concrete zum Deutschen Bratwurstessen mit scharfem Löwensenf. Ein Freund aus Deutschland hatte ihnen Unmengen Bratwurst mitgebracht, die sie gar nicht alle essen konnten. Natürlich boten wir uns selbstlos an. Ich bereitete Sauerkraut zu und so hatten wir ein typisch deutsches Essen mit einem Holländisch-Amerikanischen Pärchen.
Tags darauf waren wir auf der “Amazonas” eingeladen. Die “Amazonas” ist ein ca. 25 Meter langer Schoner aus Holz unter brasilianischer Flagge. Es gab Feijoada, typisch brasilianischen Bohneneintopf, den wir schon in Brasilien genossen haben. Jeder Gast brachte etwas zu trinken mit und natürlich gab es als Entrée Caipirinha!, zubereitet von meinem Tauchbootskipper und Divemaster Marcelo. Es war ein lustiger Abend mit einem herrlichen Sprachkauderwelsch.
Es ist schon faszinierend mit wie vielen unterschiedlichen Menschen, Booten und Mentalitäten wir in Berührung kommen. Und das auf so einer kleinen Insel wie St. Martin. (A)

Arbeitsstress

14. April 2012

Die letzten Wochen waren wir nicht gerade fleißig was unsere Logbuchberichte angeht. Man mag es kaum glauben, aber wir sind im Arbeitsstress. Die Wintersaison ist die Hauptarbeitszeit in St. Martin / St. Maarten und so haben wir alle Hände voll zu tun. Wir arbeiten dort wo andere Leute Urlaub machen und sich endlich den Traum von der Karibik erfüllen.
Björn arbeitet auf anderen Booten und hat sich mittlerweile als “Elektrospezialist” etabliert. Wenn er nicht auf anderer Leute Booten arbeitet, versucht er unsere BuenaVista weiter flott zu bekommen. Endlich hat er auch unsere Heckkoje wieder bezugsfertig gemacht, so dass wir nicht mehr im Salon schlafen müssen. Im eigenen Bett schlafen und nicht ständig über Werkzeug und sonstiges Gerümpel fallen. Was für ein Luxus und so urgemütlich, sich wieder aneinander kuscheln zu können!
Ich tauche wie eine Wilde und mittlerweile hat sich auch meine Ausbildung zum PADI -Tauchleherer bezahlt gemacht. Mittlerweile habe ich über 40 Zertifizierungen. Cool!
Also habt bitte etwas Geduld mit uns. Allmählich fängt die so genannte “Low Season” an und wir werden wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben haben. (A)

Rüpel am Abend

30. März 2012

Donnerstagabend, kurz vor neun auf der Buena Vista. Unser übliches Abendprogramm hat sich abgespult: Essen, Astrid guckt einen Tatort, ich lese im Kindle, wir werden müde, machen das Licht aus und dösen weg.
Plötzlich werden Rufe laut und kommen näher (Dialoge frei aus dem Englischen übersetzt): “He, aufwachen!”
Hä, meint der uns? Mmpf, Brille suchen, Licht an und mal rausgehen gucken.
Wieder Rufe, unfreundlich: “Hey, ihr, ihr treibt schon eine ganze Zeit mit eurem Anker auf uns zu und kommt uns immer näher!”
Tatsächlich: aus Backbord, etwas voraus (in Luv !!!), in etwa 10 m Abstand kommt ein Boot uns immer näher. Ein rascher Rundumblick bestätigt mir aber, dass wir unsere Position gegenüber den anderen Ankerliegern nicht geändert haben. Seit Wochen liegen wir an einer stabilen Mooring, und vor allem kann man schlecht gegen den Wind auf Drift gehen!
Ich antworte: “Nein mein Herr, nicht wir sind auf Drift sondern ihr! Wir hängen an einer Mooring und Driften gegen den Wind ist schlechterdings unmöglich!”
Aus dem Dunkeln kommt es drohend: “Du Hurensohn (!), wir liegen schon seit 4 Stunden (doch so lange…) stabil an unserem Anker und haben gesehen, dass ihr treibt. Macht jetzt was!”
Mittlerweile kommt das ziemlich große Segelboot immer weiter auf uns zu und für mich ist es sonnenklar, dass die driften, und zwar schnell.
Hurtig mal einen Fender klar machen. Die Bordfrau gegenüber ist auch schon hektisch am Fenderlosbinden. Währenddessen hat Astrid sicherheitshalber unsere Position auf dem GPS überprüft und bestätigt, um den scheinbar etwas verwirrten Kollegen vielleicht davon zu überzeugen, dass er auf uns zutreibt und nicht umgekehrt.
“Das ist mir doch egal” kommt es von dort.
Die Beleidigungen von der Gegenseite reißen nicht ab und so platzt mir schließlich der Kragen: “Selber Hurensohn, jetzt sieh endlich zu dass Du Deinen Scheißmotor gestartet bekommst und deinen Scheißanker hochkriegst, sonst schneid ich ihn los, Du Arschloch!”
“Wenn Du hier was losschneidest, erschieße ich Dich!” Oha, da es sich scheinbar um einen Bürger eines Landes mit liberalen Waffengesetzen handelt, ist diese Drohung eventuell nicht so leer, wie sie scheint. Das stört mich aber nicht, denn ich komme langsam in Fahrt und lasse ihn genau wissen, was ich von ihm halte.
Nun wird es aber knapp, denn der Gegner ist schon auf enge Tuchfühlung mit uns gegangen. Nur mit Abdrücken, Fendern und Glück können wir es vermeiden, dass der Schwachkopf, der obendrein auch noch betrunken sein muss, uns Solarpaneele und unsere Dinghis abreißt.
Unter weiterem Schimpfen, wie uneinsichtig wir doch seien, und dass er jetzt wegen uns seine Maschine starten müsste, kommt dieser Hirni endlich in die Gänge, startet seine Maschine, seine immer noch recht stille Bordfrau lichtet den Anker und die beiden ziehen schließlich ab, nicht ohne noch im Zickzack ein bisschen durchs Ankerfeld zu rauschen. Der glaubt wahrscheinlich immer noch, er sei im Recht.
Ich glaube, ich glaub’s ja nicht. Sowas hab ich ja noch nicht erlebt. Grundsätzliche Elemente von gesundem Menschenverstand, Höflichkeit, und Seemannschaft fehlen hier völlig. Wo sie den wohl rausgelassen haben…
Jetzt sind wir auf jeden Fall wieder wach und hoffen, dass der Typ erstmal in Ruhe seinen Rausch ausschläft, bevor er noch irgendwelche Dummheiten anstellt. (B)

Pretty in Pink!

04. März 2012

Und wieder war es mal soweit: die 32. Heineken-Regatta! Dies ist die größte und wichtigste Regatta in der Karibik. Um die 200 Boote treffen sich, um sich im Nahkampf zu üben. Dieses Jahr hatten wir sogar genügend Wind.
Wie schon die letzten 2 Saisons habe ich mich wieder als Wassertaxifahrer angemeldet. Es gibt zwar kein Geld, aber T-Shirts, Essen und Trinken frei. Dieses Jahr war unsere T-Shirt-Farbe PINK! Oh mein Gott! Wer hat sich das wohl ausgedacht! Ich hasse Pink! Aber gut, kostet ja nix. Sogar ein Kleidchen gab es dieses Jahr. Toll!
Björn, der die letzten Wochen ja durchgearbeitet hat, blieb lieber auf dem BuenaVista. Für mich hieß es um 5.15 Uhr Aufstehen. Meine Schicht begann um 6.45 Uhr. Wie immer in Marigot Bay regnete es. Auch dieses Mal bekam ich ein 150 PS Dinghi mit Bimini-Verdeck. Cool. Morgens werden die Segler, die an Land geschlafen haben, zurück auf ihre Boote gebracht. Natürlich alle viel zu spät, da die Party am Abend vorher wohl sehr lang und feuchtfröhlich war. Dennoch ist es immer wieder ein Erlebnis mit Regatta-Seglern in Berührung zu kommen.
Gen Mittag überführten wir dann die Dinghis durch die Lagune zum Yachtclub in der Simpson Bay Lagune. Mittlerweile hatte der Wind sehr stark zugenommen und die Boote vor Anker rollten was das Zeug hielt. Für uns kein einfaches Unterfangen kratzfrei anzulanden und die Segler an Land oder zurück auf die Boote zu bringen. Aber Spaß macht es immer. Um 17.00 Uhr Ortszeit beendete ich meine Schicht. Müde und voller pinkfarbener Sachen kehrte ich zu Björn zurück.
Fazit dieser Regatta: 5 entmastete Boote, ein gekenteter Katamaran und viel, viel Wind und Spaß, zumindest für uns. Und am Mittwoch bekommen wir wieder unsere Volunteers-Party. Prost! (A)
PS: Bilder werden demnächst veröffentlicht.

Die Hartz IV -Bucht

29. Februar 2012

Wir können ja auch mal eine andere Geschichte über St. Martin und ein paar unserer Landleute erzählen. Wir treffen ja neben Seglern aus aller Welt auch ab und zu mal welche mit dem Adenauer am Heck. Viele sind gut situierte Rentner oder Vorruheständler, die ihren zweiten Frühling in der Karibik genießen wollen. Die deutschen Segler in unserem Alter oder darunter sind eher in der Minderzahl, manche müssen sich noch ein paar Dollar dazuverdienen, manche haben es irgendwie geschafft, zumindest für eine gewisse Zeit keine Geldsorgen zu haben.
Und dann gibt es in der Lagune auf der französischen Seite noch eine kleine Gemeinde von abgebrochenen Existenzen (viele Deutsche, aber natürlich auch anderer Nationalität). Die schlagen sich mit Gelegenheitsjobs, Schnorren und Klauen durch, wobei das Gerücht geht, dass man sogar recht einfach an französisches Arbeitslosengeld kommen kann.
Gewohnt wird auf alten, rotten Booten, je nach Zustand schwimmend oder auf dem Trockenen. Der Treffpunkt ist, mangels einer vernünftigen Trinkhalle, die Cadisco-Tankstelle, wo man schon am frühen Morgen die üblichen Verdächtigen beim Präsidentenfrühstück sieht (Domrep-Biermarke). Im JC-Boatyard gab es sogar mal einen deutschen Schnellimbiss mit Spezialitäten wie Kartoffelsalat mit Würstchen, doch dieser ist mittlerweile vom Erdboden verschwunden (wahrscheinlich von Termiten aufgefressen…).
Also alles wie daheim, nur ein bisschen wärmer und mit tropischem Flair - Hartz IV-Bucht eben (B).

Wasserung mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad

28. Februar 2012

Nach fast drei Monaten auf dem Trockenen hatten wir uns den vorerst letztmöglichen Termin am Mittwoch geben lassen, um unser (normalerweise) schwimmendes Heim wieder ins Wasser zu bringen. Keith, der Boatyardmanager und Kranfahrer wollte nämlich ab Donnerstag für drei Wochen segeln gehen und in dieser Zeit könnte uns niemand ins Wasser bringen. Diese drei Wochen wollten wir uns natürlich gerne sparen. Alles war gut vorbereitet, alle Löcher (sprich Ventile, Propellerwellen, Rostlöcher) wieder zu, das Boot gemalt, mit Antifouling versehen.
Am Montagabend haben Jens (ein deutscher Seglerfreund) und ich noch schnell ein Stützblech für unseren Ruderkoker angebracht, weil dieser sich nach allen Schweißaktionen in diesem Rumpfbereich beim Ruderlegen plötzlich bewegt hat. Ok, Schweißen ging schnell, dabei wurde natürlich eine Fläche etwa so groß wie der “Spiegel” verbrannt. Abends noch hurtig drei Lagen Epoxy draufgezaubert - warten, bis es knapp klebrig ist und dann vorsichtig noch eine Lage draufpinseln.
Am Dienstagmorgen versucht, möglichst viel Coppercoat in möglichst kurzer Zeit aufzubringen, damit es bis Mittwochnachmittag noch ordentlich trocknen kann. Hat nicht so gut geklappt, da die Farbe so schwer ist dass sie tropfsteinartig abtropft. Wie dem auch sei, jedenfalls waren wir am Mittwoch so fertig, wie man nur sein kann, und nervös sowieso. Denn unser von allen geschätzter Kranfahrer Keith hatte es sich in den Kopf gesetzt, uns gleich hinter unserem Standplatz mit dem Kran direkt in den Brückenkanal ins Wasser zu lassen. Im Prinzip eine gute Idee, da man sich so die etwas wacklige Fahrt mit dem Trolley bis zum ursprünglichen Wasserungsplatz spart. Der Nachteil ist, dass es dort recht flach ist, und zu unserem Termin war auch noch Niedrigwasser.
Also bin ich mittags erst einmal mit der Maske ins Wasser gehüpft, um die Wassertiefe grob auszuloten. Hände auf dem Boden, Füße in der Luft, das wird schon knapp. Als dann der Kran angerumpelt kam, ging es erst mal damit los, dass wir die Gurte richtig anbringen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund verwendet Keith die vorhandenen Spreizen für die Gurte nicht, das bedeutet, die Gurte laufen alle in einem Punkt irgendwo bei 2/3 Masthöhe zusammen. Für uns im Prinzip kein Problem (Stahlrumpf), aber trotzdem kann man dabei mit dem Rigg in Konflikt kommen. So bei uns, denn obwohl ich schon ein Achterstag gelöst hatte, hakte sich das andere im Kranhaken fest. Geschwind leierte ich Colin mit dem Großfall nach oben, damit er die Wuhling in Ordnung bringen konnte.
Endlich hing unser Eisenhaufen am Haken, wurde langsam über den Kanal geschwenkt und langsam ins Wasser gelassen. Als Buena Vistas Wasserlinie noch etwa 30 cm über dem Wasser hing, ging ich wieder tauchen, um sicherzustellen, dass wir den frisch gemalten Kiel nicht gleich direkt in den Sand rammen. Ein bisschen nach vorne, ein bisschen weiter weg vom Ufer, und dann konnten wir sie auch schon vollständig ihrem Element übergeben. Schnell alle Seeventile checken, die neue Propellerwellendichtung, alles OK. Ein Wasserungsbier mit den Jungs und dann wollten wir gleich los, denn an diesem Plastikdock mit noch einem Dinghi als Abstandshalter wollten wir nicht länger als nötig liegen.
Maschine an, alles klar. Da war doch noch was, ach so, am Auspuff hatte ich ja auch herumgefrickelt. Schnell checken, auweia, Wasser tritt aus dem Schlauch aus und läuft in die frisch gemalte, trockene Bilge!
Alarm, Maschine aus. Die Leckstelle am Schlauch erstmal provisorisch mit Tape geflickt und dann sind wir ganz gemächlich an “unseren” Ankerplatz in der Lagune gefahren. Es ist schon schön, wenn man wieder auf einem schwimmenden Schiff wohnen kann. (B)

Kollaboration mit den Westalliierten

06. Februar 2012

Eine ganze Woche bin ich jeden Morgen früh ins Internet gegangen, habe Wetterseiten angeguckt und mich mit allen auf dem Boatyard beraten, um den richtigen Zeitpunkt für das Aufbringen von Coppercoat zu finden. Barbara und George, Paul, Yves und Isa hatten angeboten, uns beim Malen zu helfen. Zweimal musste ich den Termin wieder absagen, weil es kurzfristig trotz gegenteiliger Vorhersage wieder regnete. Gestern, am Sonntag, war es dann soweit. Ich hatte alle für 0800h für die Malparty zusammengerufen.
Wir hatten zwei große Planen über die Wetterseite gehängt und mit in den Boden geschlagenen Eisen verspannt, um im Falle eines Regenschauers das Schlimmste zu verhindern. Diese Planen warteten nun zusammengerollt an der Reling auf ihren (hoffentlich nicht notwendigen Einsatz).
Das Wetter sah vielversprechend aus, und mit 4 Malern legten wir los.
Zwei begannen am Kiel und arbeiteten sich nach hinten und zwei rollten vom Bug in Richtung Heck. Da tauchte auf einmal eine dunkle Wolke über den Bergen auf. Putain, wie der Franzose sagt. Ich sauste schnell auf Boot, ließ die Planen runter und verspannte sie, da ging es auch schon los. Ein tropischer Regenguss, wie aus dem Bilderbuch, kurz, aber heftig. Die Planen hielten ihr Versprechen und wir bekamen nur ein paar Spritzer auf die Farbe.
Also weitermachen. Die Kollegen, die heute ein anderes Boot mit Coppercoat malen wollten, hatten keine Planen und mussten erstmal aufhören.
Wie empfindlich die Farbe gegenüber Wasser ist, konnte ich an ein, zwei kleinen Rinnsalen erkennen, die trotz aller Abwehrmaßnahmen den Rumpf herunter liefen - die Farbe wird einfach abgewaschen, das Kupfer landet auf dem Boden. Noch zwei Regenschauer mussten wir überstehen, aber ab dem Mittag blieb das Wetter beständig und wir konnten die 4. Schicht bis 1400h aufbringen. Nicht zuletzt mit Pauls Hilfe, der etwas später zu uns gestoßen war.
So arbeiteten zwei Franzosen, ein Engländer und zwei US-Amerikaner mit mir zusammen, um ein deutsches Boot zu malen. Nur einen Russen konnten wir nicht auftreiben, Abramovitsch wollte nicht kommen. Aber auch so fand ich diese “Kollaboration” bemerkenswert und sehr schön.
Astrid tauchte just zum letzten Pinselstrich auf. Sie hatte leider nicht frei bekommen und musste tauchen gehen. Dafür hatte sie einen Riesentopf Gulasch vorbereitet, und so konnten wir unseren erfolgreichen Tag mit einem guten Essen, einigen Bieren und einer internationalen Gesellschaft feiern.
P.S: Heute Nacht hat es natürlich auch wieder kurz und heftig geregnet und geweht, aber wunderbarerweise haben die Planen gut gehalten und die Farbe hat nichts abbekommen. Jetzt sollten wir es allmählich überstanden haben. (B)

Kleine Zusammenfassung…

31. Januar 2012

…der letzten 3 Wochen. Solange, haben wir mit Schrecken festgestellt, ist es her, dass wir unseren letzten Logbucheintrag geschrieben haben.
Also, in der Zwischenzeit habe ich das Loch am Kielansatz wieder zugeschweißt, den Motorraum entrostet und gemalt, wir haben das Unterwasserschiff mit drei Schichten Epoxy gemalt, die Propellerwelle mit neuem Drucklager, Wellendichtung und Gummilager wieder eingebaut, das Ruder wieder eingebaut, die Wasserlinie mit weiß gemalt (kein schöner blauer Streifen mehr), die Bilge unter dem Salon entrostet (aber noch nicht gemalt, da immer noch nicht trocken) und so einige weitere Arbeiten erledigt.
Das hört sich nicht nach viel an, aber, wie wir ja wissen, dauert alles am Boot zwei bis dreimal so lang, wie man denkt. Dazu kommt noch das wechselhafte Wetter, das durch häufigen Regen oft verhindert, dass man seinen Malplan einhalten kann.
Ein kleines Nebenprojekt habe ich auch angefangen. Es hat mal wieder mit unserem Dinghi zu tun. Der Luftboden unseres Beibootes gibt allmählich endgültig den Geist auf, sprich er verliert Luft, trotz aller Flicken, die ich mittlerweile aufgeklebt habe. Jemand gab mir den Tipp, einen geformten Einlegeboden aus Glasfaser zu bauen, und damit den Luftboden überflüssig zu machen. Man nehme das Beiboot, drehe es um, reibe es mit Wachs ein, und lege einfach ein paar Glasfasermatten mit Polyester auf, fertig. Hört sich einfach an, im Detail gibt es aber einige Hürden. Dabei musste ich feststellen, dass GFK wirklich nicht mein Material ist. Das Polyesterharz klebt überall, härtet zu schnell aus, man muss es zwischen den Lagen immer wieder anschleifen, der Schleifstaub juckt wie Teufel…eine Sauerei.
Lieber schweiße ich ein paar Platten in den Rumpf, als mit diesem Plastikzeugs rumzumachen. Aber was ich angefangen habe, muss ich auch zu Ende bringen, und dann haben wir vielleicht wieder zwei funktionierende Beiboote (Astrid ist zur Zeit mit unserem kleinen Festdinghi zur Arbeit unterwegs, und wird immer schön nass in der Lagune).
Außerdem habe ich zwischendurch immer wieder mal ein paar kleine Elektroarbeiten auf dem Boot unseres Farbenhökers gemacht, und der Arbeitslohn wird mit unseren Einkäufen verrechnet. Praktisch.
Nun steht Buena Vista da, mit ihrem neuen Kleid in Grau und wartet darauf, dass wir das neue Antifouling aufbringen. Dafür brauchen wir zwei Tage ohne Regen. Das wird schwierig. Und in zwei Wochen geht unser Kranfahrer für drei Wochen in den Urlaub. Wäre schön, wenn wir vorher wieder ins Wasser kämen. (B)