Kollaboration mit den Westalliierten
06. Februar 2012Eine ganze Woche bin ich jeden Morgen früh ins Internet gegangen, habe Wetterseiten angeguckt und mich mit allen auf dem Boatyard beraten, um den richtigen Zeitpunkt für das Aufbringen von Coppercoat zu finden. Barbara und George, Paul, Yves und Isa hatten angeboten, uns beim Malen zu helfen. Zweimal musste ich den Termin wieder absagen, weil es kurzfristig trotz gegenteiliger Vorhersage wieder regnete. Gestern, am Sonntag, war es dann soweit. Ich hatte alle für 0800h für die Malparty zusammengerufen.
Wir hatten zwei grosse Planen über die Wetterseite gehängt und mit in den Boden geschlagenen Eisen verspannt, um im Falle eines Regenschauers das Schlimmste zu verhindern. Diese Planen warteten nun zusammengerollt an der Reling auf ihren (hoffentlich nicht notwendigen Einsatz).
Das Wetter sah vielversprechend aus, und mit 4 Malern legten wir los.
Zwei begannen am Kiel und arbeiteten sich nach hinten und zwei rollten vom Bug in Richtung Heck. Da tauchte auf einmal eine dunkle Wolke über den Bergen auf. Putain, wie der Franzose sagt. Ich sauste schnell auf Boot, liess die Planen runter und verspannte sie, da ging es auch schon los. Ein tropischer Regenguss, wie aus dem Bilderbuch, kurz, aber heftig. Die Planen hielten ihr Versprechen und wir bekamen nur ein paar Spritzer auf die Farbe.
Also weitermachen. Die Kollegen, die heute ein anderes Boot mit Coppercoat malen wollten, hatten keine Planen und mussten erstmal aufhören.
Wie empfindlich die Farbe gegenüber Wasser ist, konnte ich an ein, zwei kleinen Rinnsalen erkennen, die trotz aller Abwehrmassnahmen den Rumpf herunterliefen - die Farbe wird einfach abgewaschen, das Kupfer landet auf dem Boden. Noch zwei Regenschauer mussten wir überstehen, aber ab dem Mittag blieb das Wetter beständig und wir konnten die 4. Schicht bis 1400h aufbringen. Nicht zuletzt mit Pauls Hilfe, der etwas später zu uns gestossen war.
So arbeiteten zwei Franzosen, ein Engländer und zwei US-Amerikaner mit mir zusammen, um ein deutsches Boot zu malen. Nur einen Russen konnten wir nicht auftreiben, Abramovitsch wollte nicht kommen. Aber auch so fand ich diese “Kollaboration” bemerkenswert und sehr schön.
Astrid tauchte just zum letzten Pinselstrich auf. Sie hatte leider nicht frei bekommen und musste tauchen gehen. Dafür hatte sie einen Riesentopf Gulasch vorbereitet, und so konnten wir unseren erfolgreichen Tag mit einem guten Essen, einigen Bieren und einer internationalen Gesellschaft feiern.
P.S: Heute nacht hat es natürlich auch wieder kurz und heftig geregnet und geweht, aber wunderbarerweise haben die Planen gut gehalten und die Farbe hat nichts abbekommen. Jetzt sollten wir es allmählich überstanden haben. (B)